Bei uns stapeln sich Bücher in den Regalen, keine DVDs mit Videos oder Videospielen. Wir sind bibliophil und genießen Bücher mit allen Sinnen (OK, außer Schmecken) quer durch alle Sparten von Romanen über Krimis bis zu Sachbüchern. Das Lesen gehört zu unserem Leben wie für andere das Handy oder der MP3-Player. Wit kaufen Bücher, leihen, verleihen, verschenken und tauschen sie. Auch einer guten Zeitung und dann und wann einem Magazin sind wir nicht abgeneigt. Gelegenheiten zum Lesen müssen wir nicht suchen: ein paar Seiten Zeitung nach dem Frühstück, den Roman gemütlich eingekuschelt auf der Couch oder das Kapitelchen, bis im Bett die Augen zufallen. Schade nur, dass es so viele lesenswerte Bücher gibt, die wir aus Zeitgründen nie werden lesen können.
Feuilleton-Feuerwerk in der ZEIT
27. Oktober 2009
Das Feuilleton gehört zu den Büchern der ZEIT, die von mir zumeist etwas stiefmütterlich behandelt werden. Häufig blättere ich es durch und finde keinen rechten Zugang zu den Themen und Gedankengängen. Nicht so in der Ausgabe 44/2009, in der mich sechs Beiträge sofort ansprachen:
Seite 54: CERN - Large Hadron Collider (LHC) | Ist Gott Mathematiker? (online nicht frei verfügbar)
Seite 62: Wörterbericht | Übelst (online nicht frei verfügbar)
Alles Themen, die für mich lebensnah sind... Die Analyse der sozialen Netzwerke im Internet hat mir einige Vorurteile genommen, konnte mich aber doch (noch) nicht davon überzeugen, einem solchen Netzwerk beizutreten. Der E-Book-Artikel ist natürlich für einen Bücherfreund wie mich besonders interessant und gibt trefflich den Stand des neuartigen Mediums wieder. Ich kann mir durchaus vorstellen, bestimmte Bücher elektronisch zu lesen, werde aber sicher nie völlig auf die Haptik eines "echten" Buches verzichten wollen. Die Filmkritik der "Päpstin" hat mich vermutlich vor einem enttäuschenden Kinobesuch bewahrt. Helmut Schmidt rezensiert "Der Weg zur Einheit", Richard von Weizsäckers jüngstes Buch; für mich ist der Artikel eine Kaufempfehlung. Der CERN-Artikel spannt den Bogen genial vom Urknall bis zu Gott (mit Fragezeichen), von der Elementarteilchenphysik zum Alltag und der Weisheit des Antimaterie-Experten Rolf Landua. Zu guter Letzt die Kolumne mit dem Wörterbericht: "Übelst" ist eines der Worte, das mir am übelsten aufstößt, da kam die Kolumne gerade recht.
Fazit: Eine gute halbe Stunde Lesespaß mit der ZEIT an einer Stelle, an der ich ihn nicht erwartet hätte. Ich werde beobachten, ob dies eine Ausnahme war oder ob meine Lust am Feuilleton Bestand haben wird. Sollte das fortschreitende Alter etwa auch mit kultureller Reifung einhergegangen sein...?